
Sehr aufschlussreich: P. Gathmann & M. Paul: Narziss Goebbels. Wien 2009.
Als Schwerpunkt nennt der mit falschen Titeln und ohne jeglichen berufsqualifizierenden Hochschulabschluss zum Promotionsausschussvorsitzenden aufgestiegene gelernte Kaufmannsgehilfe Decker-Voigt, der sich in seiner 2002 zur Dissertation umdeklarierten Erzählung von 1998 als "Dr. phil." und "Entwicklungspsychologe" ausgibt, "Narzisstische Persönlichkeitsstörungen". Ein falscher Psychologe und falscher Psychotherapeut ist wohl kaum imstande, ein solches Gebiet sachgerecht zu behandeln. Zwangsläufig führt ein solch hochstaplerisches Unterfangen zur ständigen Überforderung. Man versteht sein Bekenntnis, "Ich erinnere nur, daß ich in meinen Krisen … ein Buch nach dem anderen schrieb und veröffentlichte, um mich freizuschreiben". Das "Freischreiben" dauert unvermindert an und kulminiert im fantastischen Verdrehen von Fakten.
Das Stellen der Diagnose "narzisstische Persönlichkeitsstörung" ist Sache eines Psychiaters oder Psychotherapeuten. Dazu müssen fünf der folgenden DSM-IV-TR -Kriterien erfüllt sein:
- hat ein grandioses Verständnis der eigenen Wichtigkeit (übertreibt etwa Leistungen und Talente, erwartet ohne entsprechende Leistungen als überlegen anerkannt zu werden)
- ist stark eingenommen von Phantasien grenzenlosen Erfolgs, Macht, Brillanz, Schönheit oder idealer Liebe
- glaubt von sich, „besonders“ und einzigartig zu sein und nur von anderen besonderen oder hochgestellten Menschen (oder Institutionen) verstanden zu werden oder mit diesen verkehren zu müssen
- benötigt exzessive Bewunderung
- legt ein Anspruchsdenken an den Tag, d. h. hat übertriebene Erwartungen auf eine besonders günstige Behandlung oder automatisches Eingehen auf die eigenen Erwartungen
- ist in zwischenmenschlichen Beziehungen ausbeuterisch, d. h. zieht Nutzen aus Anderen, um eigene Ziele zu erreichen
- zeigt einen Mangel an Empathie: ist nicht bereit, die Gefühle oder Bedürfnisse anderer zu erkennen / anzuerkennen oder sich mit ihnen zu identifizieren
- ist häufig neidisch auf andere oder glaubt, andere seien neidisch auf ihn / sie
- zeigt arrogante, hochmütige Verhaltensweisen oder Ansichten
Auffallend häufig findet man in Decker-Voigts Erzählungen, die nahezu immer autobiographischer Art sind, das Merkmal 8:
"ist häufig neidisch auf andere oder glaubt, andere seien neidisch auf ihn / sie",
z. B. in seiner Erzählung "Seine Papazität" vom September 2001: "Als das erste Kind kam, ein Sohn, mußten die gehässigen Neider um ihn herum das Spiel mit der "Papazität" etwas nachlassen, wenn auch nicht lassen."
Subaltern haben in Decker-Voigts Kampagnen seine sämtlichen Nutznießer das von ihm vorgegebene Wort "Neid" übernommen.
Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat am 28.2.2003 die Einstellung des Strafverfahrens wegen Anstellungsbetrugs und vielfachen Titelschwindels mit Neid begründet, womit sich jegliches Strafverfahren einstellen lässt.
Auch in seiner als Erzählung getarnten Dokumentation zum Mordaufruf wimmelt es von dem Wort "Neid".
Dort wie in der Realität spricht er von "Emeritierung", obgleich er dafür die Voraussetzungen ebenso wenig erfüllt wie für seine falschen Titel.
Auch die anderen Merkmale sind für die Betrachtung seiner gesamten "atypischen" vita nicht uninteressant.
So z. B. reklamiert er zusammen mir seinem mitschuldigen Vorgänger Prof. Eschen am 15.12.2003 für sich wie selbstverständlich "stets den zweiten vor dem ersten Schritt", "zuerst die herausragende Stellung, dann das (meist betrügerische) Zeugnis".
Während jeder andere für nur einen einzigen falschen Titel die volle Wucht des Gesetzes zu erwarten hat, beansprucht er wie selbstverständlich Straffreiheit.
Während auf jeden anderen bei arglistiger Täuschung § 12 Beamtenstatusgesetz angewendet wird, bleibt ihm die fristlose Entfernung erspart.
Wie selbstverständlich stellt die Hamburger Staatsanwaltschaft die Verfahren wegen vielfachen Titelschwindels und falscher eidesstattlicher Versicherung jeweils nach § 153 StGB ein.
Wie selbstverständlich führt er trotz der Anzeigen von 1987, 2002 und 2006 weiterhin falsche Titel.
Hemmungslos schreibt er massenhaft belletristische Literatur minderen Niveaus. Zu wissenschaftlichen Texten ist er mangels eines berufsqualifizierenden Hochschulabschlusses nicht qualifiziert.
Hinsichtlich 1., 2., 3., 4., 5., 7. und 9. fällt Decker-Voigts Forderung an das Landgericht Hamburg vom 15.1.2003 nach einer Streitwertfestsetzung von 1.000.000 € auf. Diesen wichtigtuerischen Betrag verlangte er für die berechtigten Fragen, ob er überhaupt Abitur und eine amtliche Zulassung zur Ausübung der Heilkunde habe sowie für ein Verbot seiner korrekt zitierten Aussage von seiner "Ahnungslosigkeit vom Sozialwesen" am Anfang seiner Fachhochschuldozentur, die er zwei Jahre vor Zulassung zum Hochschulstudium ohne Reifeprüfung angetreten hatte. Das Abendgymnasium zu besuchen, hatte er abgelehnt.
Als grandioses Verständnis der eigenen Wichtigkeit kann man auch Decker-Voigts Behauptung vom Januar 2003 verstehen, den damaligen kurzen Text im Internet zu seinem inzwischen bestätigten Schwindel würden „Milliarden weltweit“ lesen.
Richtigstellung: An dieser Stelle hieß es früher: "Das Buch jedenfalls hat das von dem entlarvten Faktenverdreher angestrengte Gerichtsverfahren schadlos überstanden." Tatsächlich hatte Herr Decker-Voigt ein gerichtliches Verfahren angestrengt, mit dem er Unterlassungsansprüche geltend machte und darüber hinaus ein Schmerzensgeld von 50.000 € forderte. Mit dem Unterlassungsanspruch (Streitwert 2.000 €) war er erfolgreich, die Schmerzensgeldklage wurde abgewiesen. Angesichts des Verhältnisses des eingeklagten Streitwerts von 52.000 € zu den abgewiesenen 50.000 € hat Decker-Voigt zu 96,16 % verloren. Somit darf doch wohl mit Fug und Recht gesagt werden, dass das Buch Decker-Voigts Klage insgesamt schadlos überstanden hat.
In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass Decker-Voigts Prozessbevollmächtigter in eigener Sache vor dem Amtsgericht Uelzen den Widerruf einzelner Äußerungen begehrt und beantragt hat, die Behauptung zu untersagen, RA Treptow habe einen eigenen Rechtsstreit am 5.7.2007 vor dem Oberlandesgericht Celle in eigener Sache komplett verloren, seine Klage sei insgesamt abgewiesen worden. Er hatte vor dem Landgericht Lüneburg vergebens Schmerzensgeld beansprucht. Laut Urteil des Landgerichts Lüneburg vom 26.4.2007 (Az 2 O 294/06) hatte RA Treptow Kosten in Höhe von 93 % und der von ihm Verklagte in Höhe von 7 % zu zahlen. Der Verklagte ging in Berufung. Das Oberlandesgericht Celle hat durch Urteil das Urteil des Landgerichts Lüneburg abgeändert und die Klage abgewiesen. Gegen den Bericht darüber klagte RA Treptow vor dem Amtsgericht Uelzen mit dem Ziel, die weitere Verbreitung der Äußerung, RA Treptow habe insgesamt verloren, zu untersagen. Durch einen entsprechenden Hinweis des Amtsgerichts Uelzen hat dann RA Treptow, Decker-Voigts langjähriger Prozessbevollmächtigter, diese Klage am 17.11.2008 zurückgenommen. Der Beschluss des Amtsgerichts Uelzen vom 18.12.2008 lautet: "Dem Kläger werden wegen Klagerücknahme die Kosten des Rechtsstreits auferlegt (3 269 III ZPO)."
Der Fehler, der dem Landgericht Lüneburg in seinem Urteil vom 29.12.2006 (Az. 3 O 151/06) anlässlich der „Komplementierung“ (so das Gericht) unterlaufen ist, dürfte im Übrigen schwerwiegender sein als der im Buch. Während im Buch versehentlich eine kleine Wortgruppe verstümmelt wurde, unterstellt das Landgericht Lüneburg, der unpromovierte Prof. Eschen sei „Dr.“, und hofiert damit den betrügerischen Kaufmannsgehilfen Decker-Voigt, der „auf dieser Position Prof. Dr. Eschen nachgefolgt“ sei.Zur „ecclesiogenen Neurose“ – trotz besseren Wissens wieder notorisch falsch geschrieben – zitieren wir aus Decker-Voigts Erzählung „Vom Selbstmord des Rufmörders“ (2008) im Kapitel „Vom Opium Religion“:
„Da ich in diesen Kulturkreis und in diese meine Familie hineingezeugt wurde, ist mein Opium christlicher Glaube. (…) Ich beschäftigte mich erst recht mit diesem Glauben, als ich aus der Kirche meiner Väter und Mütter austrat, um später wieder einzutreten [aus rein opportunistischen Erwägungen, wie er in „Meine Väter im Himmel“ in: „Hopf, H. (1990). ‚… geboren als Kind des Pfarrers …“ Münster: Lit, S. 177-18, ausführt]. Eine peinliche Selbsterfahrung: Um den krankhaften Neid und die Mordversuche an meinem Ruf auszuhalten, bin ich auf dem besten Weg zu einer ecclesiogenen Neurose …. Die ecclesiogene Neurose kann in ausgeprägter Form zur Zwangsneurose führen. (…) Ich rede außer mit dem, was ich für Martin Luthers und meinen Gott halte, täglich zu antiken Göttern, zu katholischen Heiligen, zu den Namen, die mir aus dem nordischen Germanentum bekannt sind.“
Wikipedia schreibt: "Die narzisstische Persönlichkeitsstörung zeichnet sich aus durch mangelndes Selbstbewusstsein und Ablehnung der eigenen Person nach innen, wechselnd mit übertriebenem und sehr ausgeprägtem Selbstbewusstsein nach außen. Daher sind diese Personen immer auf der Suche nach Bewunderung und Anerkennung, wobei sie anderen Menschen wenig echte Aufmerksamkeit schenken. Sie haben ein übertriebenes Gefühl von Wichtigkeit, hoffen eine Sonderstellung einzunehmen und zu verdienen. Sie zeigen ausbeutendes Verhalten und einen Mangel an Empathie. Es können wahnhafte Störungen mit Größenideen auftreten. Zudem zeigen Betroffene eine auffällige Empfindlichkeit gegenüber Kritik, die sie nicht selten global verstehen, was in ihnen Gefühle der Wut, Scham oder Demütigung hervorruft."
Doch sei hier keinerlei Feststellung getroffen, sondern lediglich anhand von Zitaten auf Auffälligkeiten hingewiesen. Wer sich intensiv und über Jahrzehnte mit narzisstischen Störungen befasst, kann sich ihrer Merkmale profitmaximierend bedienen, ohne selbst als gestört diagnostiziert zu sein.
Weitere Zitate aus Wikipedia
► Narzissmus ist eine starke Selbstverliebtheit oder auch Eitelkeit und hat als psychologischer Fachbegriff mehrere Bedeutungen.
Grundsätzlich kann man einen psychogenetischen Narzissmus-Begriff (Narzissmus als notwendige und ubiquitäre Entwicklungsstufe) von dem geläufigeren, diagnostisch verwendeten, negativ konnotierten Begriff unterscheiden. Letzterer bezeichnet eine Charaktereigenschaft, die sich durch ein geringes Selbstwertgefühl bei gleichzeitig übertriebener Einschätzung der eigenen Wichtigkeit und dem großen Wunsch nach Bewunderung auszeichnet. Diesem charakterpathologischen Narzissmus-Begriff folgt im Wesentlichen auch die diagnostische Verwendung.
Narzissmus ist übertriebene Selbstsucht, bedingt also Egoismus und Egozentrik. Sie versuchen ihr Gegenüber zu kontrollieren und suchen nach ständiger Bestätigung ihrer Grandiosität, da sie sich ohne diese leer fühlen. Narzisstische Personen sind gekennzeichnet durch einen Mangel an Einfühlungsvermögen und Überempfindlichkeit gegenüber Kritik, was sie mit einem großartigen äußeren Erscheinungsbild zu kompensieren versuchen. Häufig hängt das mit ihrem brüchigen Selbstwertgefühl zusammen. Narzissten überschätzen ihre eigenen Fähigkeiten und zerstören aus Neid, was begabtere Menschen aufgebaut haben.
Maligner (bösartiger) Narzissmus kann als Zwischenstufe von narzisstischer und antisozialer Persönlichkeitsstörung angesehen werden. Als maligner Narzissmus wird die Kombination von narzisstischer Persönlichkeitsstruktur, antisozialen Verhaltensweisen mit intensiven krankhaften Aggressionen und eventuellen paranoiden Neigungen bezeichnet. Kennzeichnend sind krankhafte Grandiosität (Entwicklung eines nicht der Realität angemessenen Größenselbst oder Realitätsverlust) mit Herrschaftsanspruch innerhalb einer Gruppe, bis hin zu Sadismus und Hass. Im Unterschied zur antisozialen Persönlichkeitsstörung, die sich durch das völlige Fehlen von Verantwortungsgefühl, Gewissen und Sorge/Mitgefühl sich selbst und andere Menschen betreffend auszeichnet, sind beim malignen Narzissmus noch Über-Ich-Anteile (Gewissen) funktionsfähig, und es existiert auch ein Gefühl für Mitmenschen, wenn auch oft in ausbeuterischem Interesse.
Zitate aus psychologie heute, Oktober 2009: Persönlichkeit und Persönlichkeitsstörung
1. "Lebenslügen und Legenden" (Martin Hecht, S. 66-69)
Das Streben nach möglichst viel Selbstwert ist ein psychologischer Überlebensimpuls.
Der Selbstwert, der "nur" auf dem realen Ich gründet, wird als zu gering empfunden - und spornt zu mehr an.
Es gibt Menschen, die die Ausblendung des eigenen Scheiterns so übertreiben, dass sie nicht nur die Ausschmückungen der eigenen Lebensgeschichte, sondern auch ihren Kern verfälschen. Sie belügen nicht nur andere, sondern sich selbst.
Die Kompetenzlüge ist die Mutter allen Schwindels.
"Posing nennt man es, wenn Bodybuilder bei Wettbewerben auf der Bühne ihre Muskeln zeigen. In der bürgerlichen Leistungsgesellschaft ist die wichtigste Bühne des Posings das Berufsleben. Hier gilt es, wer zu sein, und alles kommt auf die Performance an. Die Wahrheit lautet jedoch fast immer: Ich bin ein durchschnittlicher Mitarbeiter. Die Legende heißt: Ich bin eine tragende Säule im Betrieb. "Ich bin wichtig." Es ist geradezu das Markenzeichen von Subalternen zu verbreiten, ohne sie würde der Laden zusammenbrechen.
In der Legende wird das Gefühl wenigstens simuliert, zu den Gewinnern zu gehören. Man ist auf der Suche nach einer Bestätigung, die man in den Gesichtern der anderen sehen will: Anerkennung, vielleicht sogar Bewunderung oder gar Neid. Wer das Talent hat, die Rolle des Erfolgreichen zu spielen, hat gute Chancen, die Wunschreaktionen ab und zu auch zu bekommen. Von einer Lebenslüge kann man sprechen, wenn die Legende die Funktion eines psychischen Abwehrmechanismus hat, der Schutz vor einer schmerzhaften Wahrheit über uns selbst bietet.
Im Zeitalter der Selbstverwirklichung gibt es einen zusätzlichen Zwang zur Legendenbildung - wenn wir hinter selbstgesteckten Zielen zurückbleiben.
Lebenswege, die zu Lebenslügen führen, sind häufig entwicklungsbedingt. Lebenslügen kompensieren fast immer narzisstische Kränkungen in der Kindheit.
Die Legendenbildung in eigener Sache ist an Techniken gekoppelt: Über ausgeprägte Dissoziationsvorgänge wird die Realität ausgeklammert. Was nicht zu leugnen ist, wird ganz oder in Teilen neu erfunden und so verändert integriert.
Öffentliche Auszeichnungen oder Medaillen ... wägen den Geehrten im tiefen Glauben, ein Herzensmensch zu sein, ein verdienstvoller Mann.
Geht die Rechnung auf? Fühlt sich der Lebenslügner in seinem Kartenhaus wohl? Lässt es sich darin leichter leben? Eher nicht. Denn diese Lebenskonstruktion hat einen hohen Preis. Wer nur noch krampfhaft in der Einbildung lebt, ein anderer, grandioser Mensch zu sein, verliert jede Verbindung zu sich selbst.
Das Dilemma: Der Lebenslügner mindert langfristig die eigene Lebensqualität, in der irrigen Meinung, das Leben meisterlich zu beherrschen.
Es ist ein Merkmal solcher Biographien, dass alle, die dem Betreffenden nahestehen, der Lüge früher oder später auf die Spur kommen. Aber sie belassen es oft dabei und spielen die Lüge weiterhin mit. Weil eine Entlarvung auch die eigene Verstrickung in die Lebenslüge sichtbar machte und auch die eigene Konstruktion gefährden könnte. Mitmachen - das bedeutet weniger, dass man konspirativ den Deckel draufhält. Vielmehr toleriert man stillschweigend ein handfestes Problem.
Lebenslügner verteidigen ihr Terrain mit aller Kraft - wer so jemand angezweifelt hat, weiß fortan: bis hierher und nicht weiter! Denn für den Betreffenden ist alle Kritik nur der Versuch, ihn herabzusetzen.
2. "Psychopathen: Geborene Ausbeuter?" (Jochen Paulus, S. 70-73)
Psychopathen nützen ihre Empathie zum eigenen Vorteil.
Die Diagnose "dissoziative Persönlichkeitsstörung" entstammt der Krankheitsklassifikation der Weltgesundheitsorganisation. Viele Fachleute bevorzugen zumindest für die schweren Fälle einen anderen Begriff: Psychopathie. Psychopathen stellen den harten Kern der Kriminellen dar. "Wenn Verbrechen die Stellenbeschreibng ist", schrieb der kanadische Forschungspionier Robert Hare, "ist der Psychopath der perfekte Bewerber."
Nicht jeder Psychopath wird kriminell, die Mehrzahl begeht wohl keine Straftaten. Nette Mitmenschen sind sie deswegen noch nicht unbedingt. Viele lügen und betrügen, nutzen andere aus und übernehmen keine Verantwortung.
Psychopathie ist eine psychiatrische Erkrankung, und Kranke besitzen normalerweise keine besonderen Talente, sondern leiden an Defiziten. Doch in jüngster Zeit wird immer klarer: Psychopathen sind anderen Menschen in manchen Punkten überlegen. Ihre Mängel können ihnen zum Vorteil gereichen.
Erstaunliche Fähigkeiten von Psychopathen. (...) Den Psychopathen gelang es fast dreimal so häufig wie den anderen [Verbrechern], die Ausschüsse von ihrer Harmlosigkeit zu überzeugen.
"Eine besondere Schulung im Umgang mit psychopathischen Straftätern ist dringend nötig", folgert der Psychologieprofessor [Stephen Porter] aus dem Desaster mit Blick auf die Bewährungsausschüsse.
"Oberflächlicher Charme", mit dem sie andere täuschen, gilt als ihr Markenzeichen. "In aller Regel wirkt der typische Psychopath sehr angenehm und hinterlässt einen ausgesprochen positiven Eindruck, wenn man ihm zum ersten Mal begegnet", schrieb der amerikanische Psychiater Hervey Clecley in seinem Buch The Mask od Sanity (etwa "In der Maske der Gesundheit").
Bei gewöhnlichen Kriminellen finden sich überdurchschnittlich oft frühe Schwächen, die zu psychiatrischen Erkrankungen führen können - etwa Probleme während der Geburt, medizinische Auffälligkeiten in der Kindheit oder Lernschwierigkeiten in der Schule.
"Psychopathen folgen einer 'gesunden' (im biomedizinischen, nicht moralischem Sinn) Strategie", spekulieren Harris und Rice. Eine Strategie, welche die Ausbeutung anderer möglich macht.
"Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass Psychopathie mit einer Art Raubtiergedächtnis einhergeht", kommentiert Kevin Wilson.
Ebenso können Psychopathen unsichere Menschen außergewöhnlich gut erkennen, wie Angela Book von der Brock University in Ontario nachwies.
Diese "gefühllose Empathie" sei womöglich "entscheidend für den Erfolg der Psychopathen als zwischenmenschliche Betrüger".
Tatsächlich gibt es erste Indizien dafür, dass Menschen Psychopathen intuitiv erkennen können. (...) Die Zuschauer erkannten besser, als bei reinem Raten zu erwarten, wie psychopathisch die Häftlinge waren. Am besten gelang ihnen dies, wenn sie sich auf ihre Intuition verlassen mussten. Bei mehr Zeit "wird das anfängliche Misstrauen womöglich durch Charme überspielt", kommentiert Katherine Flower das frappierende Ergebnis.
Psychopathie gilt als extrem schwer zu verändern.
Kommentar:
Mit diesen Zitaten wird niemandem unterstellt, er sei Psychopath. Es wird davon ausgegangen, dass der mündige Leser zwischen Fiktion und Wahrheit unterscheiden kann. Insbesondere wird nicht gesagt, Decker-Voigt habe eine dissoziative oder narzisstische Persönlichkeitsstörung oder er sei Psychotiker, wenngleich seine Entgleisungen als Projektion aufgefasst werden könnten, wovon hier abgesehen wird. „Projektion ist das Verfolgen eigener Wünsche in anderen“ (Sigmund Freud).
Ob bei Psychopathen der Vergleich mit Raubtier angemessen ist, sei bezweifelt. Viel eher scheint der Vergleich mit einem Parasiten wie etwa einer Zecke angebracht.
Auch soll nicht gesagt werden, dass es sich bei den willfährigen Mäzenen, Beamten und gewissen Journalisten durchweg um unsichere Menschen handelt. Auf jeden Fall bedarf es einer Erklärung, warum diese Journalisten trotz der Gerichtsurteile vom 6.2.2009 derart dreist den Sachverhalt auf den Kopf stellen und einen erwiesenen vielfachen Schwindel bagatellisieren. Die Zitate können erklären, warum die ausschließlich Hamburger Journalisten Insa Gall, Alexandra Ringling, Hendrik Vöhringer, Marcus Bensemann, Thomas Darnstädt, Frank Hornig, Martin U. Müller, Marcel Rosenbach und Hilmar Schmundt sowie die nicht wenigen Nutznießer Decker-Voigts Kompetenzlüge und Legendenbildung kolportieren.
Die Zitate dürften auch Anhaltspunkte für Antworten auf das Phänomen bieten, warum eine Susanne Klatten mit einem Vermögen von 7,8 Milliarden € einem mitleidforderndem Betrüger erliegt: "Er war so liebenswert" und wollte ihr "immer seine Geschichten erzählen von seinem Leidensweg und seinen Schwierigkeiten“. Auch die Frage des Juristen, der den Film "Die Hochstapler" gedreht hat, wie solche gravierenden Betrügereien nur möglich seien, dürfte sich damit erhellen lassen. "Sie sind Hochstapler, die andere um Millionen betrügen. Sich selbst nennen Torsten S., Marc Z., Peter G. und Jürgen H. Märchenerzähler."
Die Zitate deuten aber auch darauf hin, warum es bisweilen so schwer und nahezu unmöglich ist, die vom Strafrecht vorgesehenen Konsequenzen für einwandfrei entlarvten jahrzehntelangen und gar vielfachen Schwindel mit seinen verheerenden Folgen für Studierende, Patienten und nicht zuletzt den Steuerzahler zu verlangen, zumal wenn der aufgeflogene Täter unmissverständlich demonstriert, dass er sich in die Pseudofiktion flüchtet und in Märchenerzählungen seine Kompetenzlüge ausfantasiert.
Das habe ich getan, sagt mein Gedächtnis.
Das kann ich nicht getan haben, sagt mein Stolz
Und bleibt unerbittlich.
Endlich - gibt das Gedächtnis nach.
Friedrich Nietzsche
Wozu Narzissten und Medienkampagnen fähig sind, veranschaulicht der Fall der Erasmusstudentin Meredith Kercher in Perugia. Sie hatte sich am 2.11.2007 bereits zum Schlafen hingelegt, als ihre Zimmermitbewohnerin Amanda Knox um 23 Uhr wieder zwei Männer mitbrachte und die dagegen Prostestierende angriff, sexuell misshandelte und ihr angeblich nicht die Kehle durchgeschnitten hatte, wovon das Gericht am 3.10.2011 keineswegs überzeugt war. „Ja, Amanda Knox hat gemordet, getrieben von ihrem Narzissmus und ‚Gefühlskälte“, aus ‚nichtigen Motiven‘, weil sie einen Hass auf ‚diesen Unschuldsengel‘ in sich trug“, sagt der Staatsanwalt Mignini und verlangt „lebenslänglich“." Sie wurde am 6.12.2009 zu 26 Jahre Gefängnis verurteilt und am 3.10.2011 freigesprochen.
"Das eigentlich interessante Phänomen bei Narzissten kommt aber erst noch: „Aber das Madonnengesicht [man könnte auch sagen: Die Inszenierung einer mitleidserregenden Opferrolle] zieht auch Helfer und Beschützer an (…) Eine weltweite Vereinigung der ‚Freunde von Amanda‘ arbeitet sich unermüdlich an den angeblichen Machenschaften dieses ‚Hexenprozesses von Perugia‘ ab. Der ‚Inquisitor‘ Giuliano Mignini wurde derart angegriffen, dass er gegen zwei amerikanische Autoren Verleumdungsklage einreichte“ (A. Smoltczyk: Verbrechen. In: DER SPIEGEL 49/2009 v. 30.11., S. 138-139).
Wie raffiniert Hochstapler arbeiten und wie leichtgläubig ihre Opfer hereinfallen, lässt sich auch am Beispiel von Volker Eckel ersehen.
„Häufig machen Hochstapler von sich reden, die ihre Umwelt über einen längeren Zeitraum zu täuschen vermögen. Mundus vult decipi (Die Welt will betrogen werden) - unter diesem Motto schaffen es Betrüger immer wieder, die Leichtgläubigkeit und das Vertrauen ihrer Mitmenschen auszunutzen“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Hochstapler) und die Aufdeckung ihrer Betrügereien als „Rufmord“ oder noch pompöser als „Mobbing-Opfer“ bzw. in nochmaliger gigantischer Steigerung als „Stalking-Opfer“ zu inszenieren. So werden in perfider Verdrehung der wahren Verhältnisse die wahren Opfer von Stalking gar noch zum Stalking-Täter gemacht und hartnäckig verfolgt und geschmäht, weil sie ihrer Pflicht und Verantwortung als Hochschullehrer oder Vorsitzender eines Berufsverbandes nachkommen und bei vorliegenden Anhaltspunkten wissenschaftlichen Fehlverhaltens Aufklärung erwarten.
„Sieht man sich die Herangehensweise des Hochstaplers an, fällt zunächst die Fähigkeit zur Täuschung ins Auge. Aber auch die Fähigkeit zur Selbsttäuschung spielt eine wichtige, vielleicht die entscheidende Rolle – auf zwar aufseiten der Opfer wie auch beim hochstapelnden Täter selbst“ (psychologie heute 5/2011, S. 42). Während der „klassische“ Hochstapler nur einen höheren sozialen Status erschwindelt, ist die noch weitaus betrügerischere Variante des Hochstaplers, die „untrennbar mit dem Phänomen der narzisstischen Störung verbunden“ ist, gekennzeichnet durch das „Bestreben, ein effektvolles Wunschbild von sich selbst zu erzeugen. Dem echten, dem psychisch kranken Hochstapler, der fortwährend fantasiert, geht es um Anerkennung, Zuwendung und Beifall (Diagnose: Pseudologia phantastica“ (psychologie heute 5/2011, S. 43), und zwar insbesondere als beklagenswertes Opfer. Eine solche Inszenierung vermarktet Decker-Voigt bei der Betreibung seiner Praxis zur „Therapie für Rufmordopfer“, wie sie für Hochstapler nur allzu typisch ist:
"Demonstrativ locken und coachen sie die Kollegen" (psychologie heute 5/2011, S. 41). Entsprechend wirbt Decker-Voigt mit "Consulting, Coaching, Therapie für Führungskräfte".Ist es nicht symptomatisch, wenn ausgerechnet der großspurige aufgeflogene Titelschwindler, der weder einen Gymnasiums- noch einen berufsqualifizierenden Hochschulabschluss besitzt, einen "Kompetenztag" veranstaltet? Wieder ist bestätigt: "Die Kompetenzlüge ist die Mutter allen Schwindels."
Unwahrscheinlich, dass Decker-Voigts Nutznießern endlich bewusst wird, welches Trauma dieser von sich eingenommene Wahrheitsverdreher anderen zugefügt und damit der Wissenschaft, insbesondere der Musiktherapie, unermesslich geschadet hat und noch immer schadet.
"Es ist ein nicht bestreitbares Faktum, dass die Masse sich von Borderlinern, Narzissten und Manikern angezogen fühlt. Wer jedoch näher mit denen zu tun hat, erfährt am eigenen Leib das Elend, das sich dahinter verbirgt." (C. Hesselkamp-Wiese in DER SPIEGEL 51/2009 v. 14.12., S. 11).
Stand: 27.10.11